Vom Hektar erntet man beim ersten Schnitt je nach Schnittzeitpunkt und Düngung 100 bis 150 Ballen.

Der zweite Schitt ergibt 70 bis 100 Ballen.

In einem "grossen" Rundballen sind acht Minirundballen.

In einem Minirundballen sind ca. drei Bund Heu.

Die folgende Tabelle zeigt, wie man durch Sehen, Anfassen und

Riechen beurteilen kann,

ob Gras zur Herstellung von Heulage geeignet ist.

Durch Milchsäuregärung konserviertes Gras wird in der Pferdefütterung seit Jahren verwendet. Für viele Pferdehalter ist Grassilage, beziehungsweise Heulage, aber noch immer ein Diätfutter: speziell für die staubarme Fütterung von Hustenpferden. Dass moderne Heulage in Kleinballen aber, ganz im Gegenteil, für die unkomplizierte und qualitativ hochwertige Fütterung aller Pferde sehr geeignet sein kann, zeigte unser Praxistest.

Dabei beschränkten wir uns auf Kleinballen mit durchschnittlich 20 bis 30 Kilogramm Gewicht - und dies aus drei Gründen:

- Sie sind ohne Maschinen zu bewegen.

- Ein Gebinde kann auch in kleinen Beständen ohne Verderbrisiko in wenigen Tagen verfüttert werden.

- Für die Rinderhaltung produzierte Grassilagen sind für Pferde in der Regel kaum geeignet.

Die Namen verwirren

Grassilage, Heulage, Gärheu, Anwelksilage - diese Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Die Verschiedenheit entsteht, weil der Vor-trocknungsgrad oder andere Eigenschaften des Futters auf diese Weise charakterisiert werden sollen. Der Übersicht halber wird hier einheitlich der futtermitteltechnisch korrekte Begriff Grassilage verwendet. Denn im Gegensatz zu Heu mit einer Trockenmasse von 86 bis 88 Prozent wird Grassilage schon bei 45 bis 60 Prozent eingefahren. Sie enthält also 40 bis 55 Prozent Restwasser.

Dem Gras haften von Natur aus Milchsäurebakterien an, die bei der konventionellen Heugewinnung durch Trockenheit und freien Luftzutritt inaktiviert werden. Beim Silieren dagegen schafft man ihnen bewusst gute Voraussetzungen für ihre schnelle Vermehrung:

• Hoher Druck und Luftabschluss durch Folie erzeugen ein sauerstoffarmes Klima im Ballen - die Voraussetzung für das Wachstum der anaeroben Milchsäurebakterien.

• Im Gras enthaltene Stärke und Zucker bilden die Nahrung der Milchsäurebakterien - je früher geschnitten wird, desto mehr davon ist enthalten und verbessert die Milchsäuregärung.

•Das enthaltene Restwasser bildet das Medium, in dem die Milchsäuregärung abläuft.

• Die hohe Verdichtung des Futters sorgt für engen Kontakt der Pflanzenteile und ermöglicht es den Bakterien, über die Wasserbrücken die ganze Futtermasse gleichmässig zu durchwandern.

• Je jünger und zarter das Gras ist und je kürzer das Schnittgut, desto besser lässt es sich verdichten.

Während sechs bis zehn Wochen  nach der Ernte zehren die Milchsäurebakterien einen Teil des Zuckers für ihr Wachstum auf und bilden dabei Milchsäure als Stoffwechselprodukt.Sie durchsäuert das Futter und sorgt zusammen mit dem Luftabschluss für eine Hemmung fast aller übrigen, möglicherweise schädigenden Mikroorganismen und verhindert so den Verderb desFutters.

Pferdesilage - ein Kompromiss  

Viele Pferdehalter haben offenbar gerade gegen eine optimale Silage Abneigungen entwickelt. So berichten viele Hersteller von Grassilage in Kleinballen, dass ihre Kunden weder einen stärker sauren Geruch des Futters schätzen, noch einen höheren Wassergehalt. Weil die Nachfrage das Angebot diktiert, richten sich die Produzenten nach diesen Wünschen - obwohl es ihnen als Fachleute teilweise  widerstrebt.„Eine gute Grassilage für Pferde sollte 45 bis 60 Prozent Trockenmasse haben", empfiehlt Dr. Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung,Ernährungsschäden und Diätetik der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Dabei gelten 60 Prozent schon als absolute Obergrenze. „Manche Grassilagen haben aber 70 Prozent und noch mehr Trockenmasse und kommen damit fast schon in den Bereich von Heu. Unter diesenVerhältnissen läuft praktisch keineSilierung mehr ab. Die so gewonnene Futterkonserve ist im Grunde in Folie gewickeltes Heu und wird also fast nur noch durch den strikten Luftabschluss haltbar gemacht, wie eine Gemüsekonserve. Das kleinste Loch in der Folie bewirkt dann allerdings durch den damit verbundenen Zutritt von Sauerstoff eine Explosion von Schadorganismen. Vor allem Hefepilze können zum Problem werden. So  verdirbt das Futter schnell", warnt Dr. Vervuert.

Ein   stärker durchsäuertes und  feuchteres Futter wäre also sinnvoll, auch wenn die Stalljacke nachher strenger riecht. Zumal gerade die Feuchtigkeit und damit die Staubfreiheit ein wesentlicher Produktvorteil der Silage ist.Würde man die Pferde nach ihrem Willen fragen, so wäre man mitunter erstaunt: "Viele Tiere schätzen, ganz im Gegensatz zu den Vermutungen ihrer Besitzer, eine geringfügig feiner strukturierte Silage durchaus, und Fütte-rungsversuche in Frankreich haben gezeigt, dass ein stärker durchsäuertes Futter von genau so vielen Pferden tendenziell besser als schlechter aufgenommen wird: In Frankreich sind Grassilagen mit 45 Prozent Trockenmasse üblich, mit besten Erfahrungen sowohl bezüglich der Produktsicherheit als auch der Akzeptanz durch diePferde", so Dr. Vervuert.

Grassilage für Pferde richtig dosieren    

Viele Pferdehalter glauben, Silage sei gehaltvoller als Heu. Bezogen auf die theoretischen  Werte je Kilogramm Trockensubstanz (wenn man alles Wasser im Labor künstlich durch Trocknung entfernen würde), trifft das auch in geringem Umfang zu. Denn der Silierungsprozess schließt offenbar einen Teil der Kohlenhydrate besser auf. Allerdings verbrauchen die Milchsäurebakterien ihrerseits auch Energie. Auch scheint die Silierung im Vergleich zur vollen Trocknung bei der Heuproduktion mit dem Eiweiß schonender zu verfahren. Diese Effekte sind aber nur wenig ausgeprägt und daher in der Praxis zu vernachlässigen. Auch die Gehalte an Mineralstoffen und Spurenelementen sind ähnlich. Im Bereich der Vitamine allerdings ergeben sich Unterschiede: Weil Heu zwischen Schnitt und Pressung länger in der Sonne liegt, enthält es mehr Vitamin D. Die Besonnung zerstört aber einen Teil des Beta-Karotins (das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird), so dass von diesem Vitamin in der Grassilage mehr vorhanden ist. Vergleicht man die Fut­terwerte von Heu und Grassilage allerdings auf Basis der ursprünglichen Substanz, also ein Kilogramm des Futtermittels, wie der Pferdehalter es seinem Tier vorlegt, so ist Grassilage deutlich schwächer. Sie enthält nämlich je nach Vortrocknungsgrad mehr Wasser und damit automatisch proportional weniger Nährstoffe.

Daraus ergeben sich zwei für die Praxis wichtige Folgerungen:

• Wer die früher übliche Kilomenge Heu einfach eins zu eins durch dieselbe Menge Grassilage ersetzt, führt seinem Pferd - je nach Trockenmassegehalt des jeweiligen Produktes - weniger Energie und Eiweiß zu. Das kann im Rahmen einer Ration zur Gewichtsreduzierung beziehungsweise eiweißarmen Diät erwünscht sein, oder muss gegebenenfalls durch höhere Gaben von Kraftfutter ausgeglichen werden. Weil die Pferde Silage in der Regel schneller fressen als Heu, muss hier Stroh als Rohfaserlieferant und Knabberfutter angeboten werden.

• Wer seine Heuration auch energetisch durch Silage ersetzen will, für den gilt die Faustregel: Um ein Kilogramm Heu zu ersetzen, benötigt man ungefähr  1,3  bis  1,6   Kilogramm Grassilage, je nach Trockenmassegehalt des jeweiligen Produktes.

Ist die Silage heikel? 

 Eine mangelhafte Silierung führt zu Qualitätseinbußen. Vor allem können sich, neben der erwünschten Milchsäure, durch andere Bakterien auch Buttersäure und Essigsäure bilden und zum Verderb des Futters führen. Dass die Aufnahme der in der Grassilage gebildeten Milchsäure dem Pferd schaden kann, ist nicht zu erwarten - insbesondere nicht bei der ohnehin nur wenig sauren pferdetypischen Silage: „Der Mageninhalt eines Pferdes ist, mit einem pH-Wert deutlich unter 3, schon von Natur aus sehr sauer. Sämtliche gefressene Nahrung wird also ohnehin auf diesen Wert eingestellt. Vor dem Hintergrund ist es unbedeutend, ob das Pferd beispielsweise Heu mit einem pH-Wert von 7,2 oder pferdetypische Grassilage mit einem pH-Wert von 6 bis 6,5 frisst", erklärt dazu Frau Dr. Vervuert.

Bei Luftzutritt und verstärkt in gering gesäuerten Grassilagen bilden sich aber Schimmel- und Hefepilze. Letztere vor allem in den Arealen um eine Folienverletzung herum.

Gefährlicher als solche relativen Hygienemängel sind Listerien. Diese Bakterienart, die mit kontaminierter Erde in die Silage gelangt, vermehrt sich dort stark und kann vor allem für Fohlen und Jungpferde durch das Auslösen von fieberhaften Blutvergiftungen gefährlich werden; bei älteren Pferden zeigen sich nach einer Infektion eher zentralnervöse Symptome und bei Stuten auch Aborte. Mit Listerien verunreinigte Silage ist aber ein eher seltenes Phänomen.

 Wirklich gefährlich ist ein Besatz  mit dem Stoffwechselgift des Bakteriums Clostridium botulinum, dessen Vergiftungssymptome als Botulismus bekannt sind, und zu schweren zentralnervösen Störungen mit tödlichem Ausgang führen können. Clostridien-Sporen, also die Vermehrungsformen, gelangen durch eingepresste Kadaver von Kleinnagern und Vögeln in die Silage. Weniger bekannt ist, dass sie auch über kontaminiertes Erdreich verbreitet werden, mitunter verstärkt auf Flächen, die intensiv mit Gülle gedüngt wurden. Einzelne Botulismusfälle lösen große Aufregung aus. Bislang scheint es aber so, dass die Krankheit nur äußerst selten durch Grassilage ausgelöst wird, und dass Clostridien praktisch nie in den sorgfältig kontrollierten Kleinballensilagen nachgewiesen wurden.

Kleinballensilagen für Pferde bieten ein exzellentes Handling: Man geht kein Wetterrisiko ein, muss keine große Lagerhaltung ermöglichen, hat generell wenig Lagervolumen (ungefähr halb so viel wie bei Heu). Die Gewichte von zumeist 20 bis 30 Kilogramm sind gut zu bewegen. Die Ballen können aufgrund ihrer robusten Folien gut im Freien gelagert werden. Sie sollten dann allerdings immer auf Paletten liegen und nicht direkt auf dem Boden. Geeignet sind schattige Stellen, um Schwitzwasserbildung weitgehend zu vermeiden. In jedem Fall muss der Vorrat regelmäßig auf beschädigte Verpackungen, beispielsweise durch Umlagern und Nagerfraß, kontrolliert werden. Werden beschädigte Ballen sofort entdeckt, ist der Inhalt durch umgehende Verfütterung oft noch zu verwenden. Eine gute Silage sollte fein-säuerlich riechen und keine Verpilzung vorweisen.

Kleinballensilagen  sind von einer relativ gleichbleibenden Qualität, können hervorragend bei Stauballergikern eingesetzt werden und sind ein idealer Reiseproviant für Turniere und andere Veranstaltungen.

Kleinballen im Praxistest

Nach insgesamt fast fünf Monaten der Fütterung mit Grassilage anstelle des sonst für die Nacht verabreichten Heus sahen die Pferde sehr gut aus und waren in bester Kondition.

Das Handling der Ballen einschließlich Lagerung und Transport war insgesamt angenehm.

Die Verfütterung von Kleinballen - Silage erwies sich als empfehlenswert, angenehm auch für den Menschen, der selbst ebenfalls keinen Heustaub einatmen muss, und äusserst praktikabel. Und die Meinung der Pferde dazu? Für gute Grassilage ließen sie das beste Heu kompromisslos links liegen!

Mit freundlicher Genehmigung des Bauernblattes und Dr. Jürgen Bartz, Veterinärmediziner, Kaltenkirchen

Grassilage in der Pferdefütterung

Tabellen mit freundlicher Genehmigung durch Dr. Johannes Thaysen, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.
Konservierungsverfahren für Graskonserven in der Pferdehaltung
Konservierungsart
Silage
Anwelksilage
Anwelksilage
Feuchtheu
Heu
Kenngrößen
TM-Gehalt % OS
25 bis 35
35 bis 55
55 bis 75
75 bis 85
über 85
Trocknungszeiten (h) bei 5-8 mm Verdunstung/h unter norddeutschen Klimabedingungen bei Ablage im Mähschwad ohne Mähaufbereiter
5
12 bis 36
36 bis 48
48 bis 55
über 55
Arbeitsgänge und Anzahl
Zetten 1 x
Zetten 1 x
Wenden 1 x
Zetten 1 x
Wenden 2 x
Zetten 1 x
Wenden 3 x
Zetten 1 x
Wenden 3 x
und mehr
Konservierungsprinzip
Silierung
Silierung
luftdichte Lagerung
Trocknung
mit luftdichter
Lagerung
Trocknung
Vor- beziehungsweise Nachteile für Pferde
keine Eignung,
da
strukturarm
hoher Energiegehalt, besonders für staub-
empfindliche Pferde
geeignet,Wassergehalt
reicht für schwache Säure-
bildung, optimaler TM-Bereich,
Siliermittelzusatz zur
Qualitätssicherung möglich
am meisten verbreitet,
aber kein Säureschutz,
hohe Anforderung an Luft-
abschlussgüte (Folienlagen,
-qualität, Ballenlagerung),
geringe Geruchsintensität,
keine Bevorzugung
gegenüber Anwelksilage
zu erkennen
unregelmäßig getrocknetes Heu,
hohe Anforderung an
Luftabschlussgüte
(Folienlagen,
-Qualität, Ballen-
lagerung),
Konservierungszusatz
erforderlich
Gutes
(staubfreies)
Heu ist ein
Diätfutter,
geeignet für
alle Pferde und
-rassen
Sensorische Beurteilung von Anwelksilage für Pferde
Merkmal
zur Fütterung geeignet
bedingt geeignet
keine Eignung
TM-Gehaltsbereich
40 bis 55%
35 bis 80 %
unter 35 oder über 80 %
Mähen bei Hauptbestandsbildnern
Beginn Blüte
Beginn Blüte
vor Ährenschieben oder Ende Blüte
Farbe
grünlich-bräunlich
ohne Abweichung
teilweise hellere/
dunklere Flecken
starke Dunkelverfärbung
oder leuchtend grün
Verschmutzung
frei von Sand oder Mistanteilen
geringe Sand/Erdanteile
starke Schmutzanteile
Schimmelbildung
nicht erkennbar
einige weissliche/dunklere Stellen
grosse Schimmelanteile
Geruch
aromatisch,brotartig,säuerlich
leicht zu süsslich oder
leicht stechend
faulig, stechend, muffig
Griffprobe
kaum feucht
spürbar feucht oder zu trocken
nass oder zu trocken